Geschichte - Die Anfänge - Lazarus Haus Berlin

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Geschichte - Die Anfänge
Der Mann hinter dem Lazarus Haus
Pfarrer Wilhelm Boegehold

Lazarus - Die Anfänge

Der Gründer von Lazarus, Pfarrer Wilhelm Boegehold, hatte ein Leitwort für sein Wirken: “Niemanden und nichts aufgeben” – im Sinne von “verloren geben”. Es war ihm bei seiner Einführung als Gefängnispfarrer in Düsseldorf auf den Weg mitgegeben worden. Zusammen mit dem Hausspruch aus Jesaja 58,7 “Brich dem Hungrigen dein Brot und die, so im Elend sind, führe in dein Haus” ist es gleichsam die geistliche Achse von Lazarus geworden, um die sich alles dreht.  

Boegehold stammte aus Mülheim am Rhein, heute Köln-Mülheim. 1857 kam er nach Berlin, auf Anregung von Wichern als Pfarrer ans Moabiter Gefängnis, und dann ab 1863 ins Gemeindepfarramt der Elisabeth-Gemeinde in der Invalidenstraße in Mitte.

Als Gemeindepfarrer erlebte er bei seinen  Hausbesuchen das für uns heute unvorstellbare soziale Elend im Norden der damals rasant wachsenden Großstadt Berlin. “Wahrlich, die Not der Kranken, sonderlich der unheilbaren, der Schwindsüchtigen und Krebskranken drückt einem fast das Herz ab”, bekannte er in einem Vortrag, in dem er zugleich um Spenden bat – für ein Krankenhaus und eine Kapelle nämlich. Dorthin sollten die Menschen auch kommen können, wenn sie nicht über Sonntagskleidung verfügten. Und das war ja die Regel. Medizinische Hilfe und Seelsorge - das gehörte für ihn zusammen.

Mittels Spenden und Zuwendungen des örtlichen Kirchbauvereins konnte der Anfang gemacht werden. Und das war die Grundsteinlegung im Jahr 1865. Es gibt darüber eine schön geschriebene Urkunde, in der steht: “Im Jahr des Heils 1865 am 16. des Monats Juni sind wir allhier versammelt, um den Grundstein zu legen zu dieser christlichen  Kapelle, darinnen das lautere Evangelium von der freien Gnade in Christo gepredigt werden soll. So der allmächtige Gott, dem alles Gold und Silber gehört, uns dessen weiter das nöthige Theil bescheret, wollen wir neben dieser Kapelle ein Krankenhaus erbauen, das Lazarus Krankenhaus heißen soll, darinnen die kranken Brüder und Schwestern unseres Herrn Jesu Christi sollen nach Christenpflicht und Weise verpflegt werden.”


Die Kapelle und der genau darunter liegende frühere Krankensaal - jetzt "Kapellensaal" genannt und von den Lazarus - Schulen für den Unterricht genutzt - sind somit die Urzelle von Lazarus. Schon am 29. November 1865 konnte die Kapelle und ein damit verbundener Betsaal eingeweiht werden, im Juni 1866 war der Krankensaal fertiggestellt – die Räume mussten erst trocken werden.




Allerdings: Bis auf eine schwerstkranke Patientin waren die ersten Kranken, die hier zunächst versorgt wurden, nicht die armen Lazarusse aus der Umgebung, sondern verwundete und kranke Soldaten aus dem Krieg mit Österreich und dem Deutschen Bund! Der Krankensaal hatte 15 Betten! In jedem Falle waren das viel zu wenig; und es zeigte sich darüber hinaus schon damals, dass sich ein größeres Haus auch besser bewirtschaften lässt.

Deshalb wagte es Boegehold auch ohne gesicherte Finanzierung, 1867 den Grundstein für einen Erweiterungsbau, das eigentliche Krankenhaus, zu legen. Von der Bauphase gibt es viele Berichte über – gelinde gesagt – finanzielle Engpässe. Ohne zahlreiche Spenden und nicht zuletzt die Unterstützung des Maschinen-Fabrikanten Louis Schwartzkopff – Boegehold hatte ihn eines Tages aufgesucht und um Unterstützung gebeten, schließlich ging es auch um Hilfe für die Arbeiterfamilien aus den Schwartzkopff’schen Fabriken; und daraus entstand eine Freundschaft  - wäre das Lazarus-Krankenhaus wohl nicht fertiggestellt worden.1870 wurde es eröffnet – mit 137 Betten. Doch die ersten Patienten waren wiederum nur zum Teil die Bedürftigen der Umgebung. Der andere Teil waren erneut Soldaten, diesmal aus dem deutsch-französischen Krieg. Es war nicht das letzte Mal, dass Lazarus von den Irrungen und Wirrungen der Geschichte direkt betroffen wurde.

Schon als der erste Krankensaal fertig war, stellte sich für Boegehold die Frage: Woher qualifizierte Pflegekräfte hernehmen? “Ohne Diakonissen geht es nicht” – so seine Überzeugung. Er wandte sich nach Kaiserswerth bei Düsseldorf ans dortige Diakonissenmutterhaus um Hilfe, und es kamen einige Schwestern. Allerdings konnten sie langfristig nicht bleiben, und es waren zu wenige. So reifte der Entschluss, ein eigenes Diakonissenmutterhaus zu gründen und eine eigene Schwesternschaft auszubilden. “Unser Mutterhaus war damals eine kleine Familie: fünf Probeschwestern und eine Diakonisse. Unsere Oberin, Gräfin von Hertzberg, war die Seele der Familie” – so schrieb eine Schwester im Rückblick. Das war der Anfang. Die Zahl der Schwestern wuchs von 37 im Jahre 1872 auf  93 im Jahre 1899; und im Jahre 1911 waren es 170.

Dazu kamen weitere Arbeitsfelder. 1871 wurde im Krankenhaus eine Kinderstation eröffnet und zugleich eine Kleinkinderschule eingerichtet.
“Wer weiß, was Kinder wert sind”, so Boegehold, “wird sich mit uns freuen, dass uns unter sichtbarer Leitung von oben neben dem Lazarus-Krankenhaus noch ein anderes Arbeitsfeld unter den Kleinen geschenkt und zubereitet worden ist.”
Ein Kindergärtnerinnenseminar kam als Ausbildungsstätte hinzu. 1872 ging eine Schwester auf die erste Außenstation von Lazarus nach Lähn in Schlesien als Hausmutter in ein kleines Hospital.

Die rasch wachsenden Anfänge bargen jedoch erhebliche Risiken, zumal Boegehold als allein Verantwortlicher für das ganze Lazarus-Werk stand. Als er 1873 starb, war die Situation für Lazarus äußerst kritisch. Boegeholds Freund, der bereits erwähnte Fabrikant Louis Schwartzkopff, versprach ihm, für Lazarus in jeder Hinsicht zu sorgen. Und er hielt sein Versprechen. Er gründete 1873 ein Kuratorium, dessen erster Vorsitzender er viele Jahre war. Und es gelang ihm, für Lazarus die Körperschaftsrechte zu erlangen und generell das Werk zu stabilisieren. 1874 wurde Lazarus zugleich Anstaltskirchengemeinde.

Text: Pfarrer Reinhard Stawinski

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